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von Michael Aschaber Nach der erfolgreichen Begehung der 217 Meter langen Longline vor einigen Wochen, versuchte ich jetzt einen Schritt weiter zu gehen um die 250 Meter Schallmauer im Slacklinen zu durchbrechen.
Alles begann mit den Vorbereitungen im Laufe der Woche. Ich suchte mir zwei Spots. Der erste Spot, eine gleichmäßig abfallende symmetrische Geländesenke. Mein erster Eindruck war durchaus zufriedenstellend. Man konnte den Höhenunterschied zwischen den Fixpunkten und der Mitte der Senke zwar schwer abschätzen doch glaubte ich, dass dieser Spot perfekt wäre. Der Zweite gleicht einer Longline-Arena. Ein großes Feld wird von zwei parallelen Baumalleen begrenzt. Als wir, Flo Schwenter und ich, vergangenen Samstag beim ersten Spot die 251 Meter lange Line (Ribline) aufzogen und sie zum ersten mal komplett vom Boden abhob, kamen die ersten Zweifel auf. Die Senke schien doch um einiges tiefer zu sein als ich zu Beginn dachte. In der Mitte öffnete sich ein Abgrund von ca. 5,5 Metern Höhe. Da wir im ersten Anlauf beim Aufbau einen Fehler machten, mussten wir noch einmal komplett von Neuem beginnen. Wir hatten die Möglichkeit mit einem Traktor die Line vorzuspannen. Das Ergebnis dieses Versuchs war auch nicht zufriedenstellend... Im dritten Anlauf verlief dann alles nach Plan. Nach ca. 1 Stunde zeigte Uwe 1,5 Tonnen an und wir konnten zum ersten Mal auf der Slackline balancieren. Ich wusste, da die Line in der Mitte 5,5 Meter über dem Boden wie ein Segel im Wind hin und her schwang, dass ein Überqueren des Abgrunds zu waghalsig sei und für mich unvorstellbar. Wir versuchten einige Meter zu gehen und sammelten die ersten Eindrücke auf einer 251 Meter langen Slackline.Am Sonntag wollten wir, Christof Eder und ich, dann den zweiten Spot ausprobieren. Ein riesiges ebenes Feld das von Baumalleen umzäunt wird. Diese wahre Longline-Arena bietet Möglichkeiten für 100 bis 300 Meter lange Longlines. Wir entschieden uns für die 254 Meter Variante (Way to Going). Der Aufbau verlief ohne große Probleme. Wir testeten immer wieder die Spannung, indem wir uns auf die Line knieten. Mit ca. 1,7 Tonnen setzte ich mich in der Mitte drauf und hatte zum ersten Mal Luft unter meinem Hintern. Voller Zuversicht ging ich wieder zurück zum Kettenzug, überprüfte erneut alle Karabiner und Schlingen und setzte die Ratscherei fort. Wir wollten eine Spannung von ca. 2 Tonnen erreichen. Bei 1,9 Tonnen wechselte mich Christof am Kettezug ab. Ich nahm Abstand ging zur Banane vor und überprüfte ob alles in Ordnung war. Ich ging einen Schritt vor und legte meine Hand auf die Line. Ich tippte sie zweimal an. Ich sah noch wie sich zwei kleine Wellen von meiner Seite der Line in Richtung des gegenüberliegenden Fixpunktes bewegten. Plötzlich hörte ich einen Knall und ca. 70 Meter Slackline schossen an mir vorbei. Reflexartig warf ich mich zu Boden. Christoph stand beim Kettenzug und hatte keine Chance zu reagieren. Ich richtete mich auf, drehte mich zu ihm und hatte die schlimmsten Befürchtungen. Gott sei dank hatten wir die Metallteile gesichert, dass sie im Falle eines Abrisses nicht in Richtung Fixpunkt fliegen, sondern abgelenkt werden konnten. Dadurch ist es unwahrscheinlicher dass derjenige, der beim Kettenzug spannt von fliegenden Karabinern getroffen und wo möglich schwer verletzt wird. Christof und ich gingen aufeinander zu, wussten zunächst gar nicht was passiert war. Wir sahen uns an und realisierten, dass wir bei dieser Aktion mit einem großen blauen Auge davon gekommen waren. Wir sammelten alle Teile wieder ein und inspizierten sie genau. Auf den Fotos ist die Spannvorrichtung zu sehen. Die verstreuten Teile zeigen deutlich welche Kräfte bei Slacklines in diesen Größenordnungen frei werden. Diesmal hatten wir verdammt viel Glück. Wir hatten aufgrund unserer Erfahrungen im Aufbau von Longlines dieses Mal an alles gedacht, sodass falls die Slackline reißen sollte, keiner verletzt werden kann. Dieses Erlebnis macht ganz deutlich, dass auch beim Longline die Grenzen bereits erreicht sind. Das schwächste Element beim Longlinen ist immer noch die Slackline. Laut Tests sollte sie erst bei 2,8 Tonnen in der ersten Wicklung der Banane reißen. Die 254 Meter Slackline riss bei 1,9 Tonnen ca. 50 Meter vor der Banane durch leichtes antippen ab. Der Schwachpunkt wird wohl eine kleine Verletzung des Bandes, welche nur schwer zu sehen war, gewesen sein. Diese Slackline wurde 5 Mal benutzt und hatte äußerlich keine gravierenden Schäden. Resümierend kann ich sagen, dass dieses Erlebnis klar zeigte, dass der Mensch im Vergleich zu Slacklines in diesen Dimensionen wie ein verletzliches Kind wirkt, dass durch die Kombination von Neugierde und technischen Hilfsmitteln (Kettenzug, starken Flaschenzügen, etc.) Kräfte freisetzt werden, die nur bedingt kontrollierbar sind und äußerst lebensgefährlich sein können. Zur Homepage |